Trockene Haut

Trockene Haut – Ursachen und was Du dagegen tun kannst!

Trockene Haut am Rücken

Was ist trockene Haut?

Trockene Haut, auch als Xerodermie, Xerosis oder Xerosis cutis bezeichnet, ist eine Hauterkrankung. Sie wird durch einen Mangel an Feuchtigkeit oder Talg verursacht, was zu Schuppenbildung, Juckreiz und Rissen in der äußeren Hautschicht (Epidermis) führt. Zu den trockensten Hautpartien gehören oft Arme, Unterschenkel und die Seiten des Bauches. Dieses Muster kann jedoch von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Normalerweise ist trockene Haut ein vorübergehendes Phänomen, z.B. im Winter, der Zustand kann aber auch langfristig auftreten. Das Risiko, trockene Haut zu bekommen, steigt mit dem Alter. So sind zum Beispiel etwa 75% der Personen, die 64 Jahre und älter sind, von trockener Haut betroffen1. In Deutschland gelten etwa 30% der erwachsenen Bevölkerung als betroffen, das macht trockene Haut zu einer der häufigsten dermatologischen Diagnosen.2

Wieso schadet trockene Haut unserem Körper?

Die Haut als äußere Schnittstelle des menschlichen Körpers spielt eine entscheidende Rolle für seine Funktion. Daher führt geschädigte Haut zu einer Vielzahl von negativen Auswirkungen. Zum einen ist trockene Haut sehr viel empfindlicher und fragiler als gesunde Haut. Dadurch kann es zu Blutungen unter der Haut oder sogenannten Purpura-Flecken kommen. Da trockene Haut oft dünner ist verschlechtert sich die stoßdämpfende Funktion der Haut, insbesondere an belasteten und druckempfindlichen Flächen (z.B. Fersen und Ellenbogen). Trockene Haut hat außerdem eine geringere Regenerationsfähigkeit. Die Haut verliert ihren natürlichen UV-Schutz, was Sonnenschäden verschlimmern kann. Zudem verändern sich durch die trockene Haut die Blutkapillaren und Schweißdrüsen der Haut. Dadurch verliert die Haut ihre Fähigkeit den Körper abzukühlen (Thermoregulation). Darunter leidet auch die Schutzfunktion der Haut, da durch die verringerte Durchblutung zu wenige Nährstoffe und Sauerstoff transportiert werden können.

Welche Bedeutung hat das Mikrobiom bei trockener Haut?

Die geschädigte Haut beeinflusst das Haut-Mikrobiom. Damit ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Protozoen und Pilze) gemeint, die sich auf der Haut und in tieferen Hautschichten befinden. Dieses Mikrobiom besteht sowohl aus nützlichen als auch schädlichen Bakterien. Bei gesunden Menschen sind diese Bakterien in einem Gleichgewicht und ihre Aktivität ist zurückhaltend. Trockene Haut führt zu einer Störung dieses Gleichgewichts und verursacht eine Vermehrung von schlechten Bakterien, insbesondere Staphylokokken. Zusammen mit verletzter Haut kann dies zu einer Infektion führen. In einigen Fällen sind die Entzündungszeichen (z.B. Rötung, Hitze und Schwellung) nicht so stark ausgeprägt, was die Erkennung der Infektion erschwert.

Haut-Mikrobiom – Was haben Bakterien mit trockener Haut zutun?

Verschiedene Regionen der Haut haben normalerweise sehr unterschiedliche Bakterienarten, die auf ihr leben. Das wird weitgehend durch Talg und Feuchtigkeit kontrolliert. Bakterien, die keine eigenen Lipide produzieren können, halten sich in öligen Lebensräumen (wie Gesicht, Brust und Rücken) auf und fressen die vom menschlichen Körper produzierten Lipide. Trockene Haut produziert nicht genügend Lipide, daher werden gute Bakterien durch schlechte Bakterien verdrängt. Dadurch wird deutlich, wie tief die Haut und ihr Mikrobiom miteinander verbunden sind. Die Mechanismen und die Folgen dieser Verbindung sind noch zu erforschen.

Der Einfluss von Klima auf die Haut

Die Gründe für trockene Haut variieren je nach Mensch und Umfeld. Oft sind die Ursachen für trockene Haut umweltbedingt. Extreme Temperaturen und Temperaturschwankungen sowie eine geringe Luftfeuchtigkeit gehören zu den Hauptfaktoren. Im Winter sinken die Temperaturen und die Luft ist aufgrund von Heizung, Kamin und Klimaanlagen trocken. Deshalb verschlechtern sich in dieser Jahreszeit die Symptome trockener Haut. Zu den Hauptrisikogruppen gehören daher Menschen, die in kalten Regionen leben. Die Sonne als weiterer negativer Faktor trocknet die Haut aus. Dies führt zu Schäden, nicht nur in der oberen Hautschicht, sondern auch in tieferen Schichten der Haut, wo Kollagen- und Elastinfasern abgebaut werden. Dies wiederum kann zu tiefen Falten und lockerer, schlaffer Haut führen.

Bei trockener Haut duschen oder baden?

Eine weitere Ursache für trockene Haut ist häufiges Duschen oder Baden, insbesondere mit heißem Wasser. Auch häufiges Schwimmen kann negative Folgen für die Haut haben, insbesondere in stark gechlorten Becken. Durch das Chlor im Wasser wird die schützende Lipidschicht auf der Haut beschädigt und die Feuchtigkeit in der Haut beginnt zu verdunsten. Außerdem wird häufiges Duschen oft mit der Verwendung von Seifen und Shampoos in Verbindung gebracht. Zusammen mit seifenfreiem Duschgel, Deodorants oder Antitranspirantien können sie den pH-Wert der normalen Haut verändern und ebenfalls die schützenden Lipide angreifen. All dies schädigt die Barrierefunktion der Haut. Der Abbau von Lipiden und Fetten geschieht aufgrund der spezifischen Molekularstrukturen dieser Produkte. Seifen und seifenfreies Duschgel zum Beispiel verbinden sich mit den Lipiden und sorgen dafür, dass sich die gesamte Struktur in Wasser auflöst. Zudem kann die Haut durch intensives Reiben beim Waschen und Trocknen mechanisch verletzt werden, insbesondere bei eingeschränkter Elastizität. Dasselbe gilt für die enge Kleidung, die zu dauerhaften Reibungen führt und die normale Durchblutung stört.3

Worauf sollte bei Hygiene- und Kosmetikprodukten geachtet werden?

Menschen mit trockener Haut sollten besonders die folgenden Inhaltsstoffe in Hygiene- und Kosmetikprodukten meiden:

  • Polyethylenglykol
  • Parabene
  • Natrium- und Ammoniumlaurylsulfat
  • Natrium-Laureth-Sulfat
  • Salicylsäure
  • AHA-Säuren
  • Isopropylalkohol

Zusammenhang zwischen trockener Haut und Erkrankungen

Trockene Haut kann ein Symptom von dermatologischen Erkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis und Ichthyosis sein. Es ist daher kein Wunder, dass trockene Haut häufiger bei Personen mit einer Neigung zu Ekzemen auftritt. Darüber hinaus kann trockene Haut eine Folge von Medikamenten sein, die bei der Behandlung von Krankheiten wie Akne oder Neurodermitis eingesetzt werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass anhaltend trockene Haut zu Neurodermitis führen kann und nicht nur daraus resultiert.2 Andere medizinische Bedingungen, die ebenfalls zu trockener Haut führen, sind:

  • Immunschwäche-Virus (HIV)
  • Unterernährung
  • Lymphom
  • Diabetes
  • Sjögren-Syndrom
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Nierenerkrankung im Endstadium   
  • Zinkmangel
  • Mangel an essentiellen Fettsäuren
  • neurologische Störungen, die das Schwitzen vermindern
  • bösartige Erkrankungen oder obstruktive Gallenwegserkrankungen
  • Strahlungseinfluss4

 

Einige Medikamente können eine Anfälligkeit für trockene Haut verursachen. Diese sind:

  • Diuretika
  • Cimetidin
  • cholesterinsenkende Ergänzungsmittel
  • Antiandrogene
  • Chemotherapie

Trockene Haut im Alter

Wie bereits erwähnt wurde, ist das Altern ein weiterer Faktor, der trockene Haut verursacht. Dabei wird die Aktivität der Talg- und Schweißdrüsen reduziert. Dies ist besonders bei Frauen tiefgreifend. Sie verlieren bis zum Alter von sechzig Jahren fast ein Drittel ihrer Talgdrüsenaktivität, die sie in der Jugend hatten.5 Mit zunehmendem Alter wird die Haut dünner, was ihre mechanische Festigkeit und Elastizität verringert. Eine weitere Folge des Alterns, die sich auf die Haut auswirkt, ist die Verringerung der Anzahl der kleinen Blutgefäße und Nervenenden. Sie verhindern die ausreichende Aufnahme von Proteinen, Vitaminen und Fettsäuren durch die Haut. Einen offensichtlich negativen Effekt hat eine lebenslange Sonnenbelastung. Letztlich resultiert trockene Haut aus einem geschwächten Immunsystem und verringerten Regenerationsfähigkeiten, was für Menschen im höheren Alter typisch ist.  

Vorbeugen von trockener Haut – was gilt es zu beachten?

Behandlung und Vorbeugung von trockener Haut stehen oft in Zusammenhang mit den Ursachen dieser Hauterkrankung. Einer der einfachsten Ansätze wäre es, die Häufigkeit und die Zeit, die man unter der Dusche verbringt, zu reduzieren. Menschen, die zu trockener Haut neigen, sollten im Allgemeinen zu häufiges Waschen der Haut vermeiden und dabei auf heißes Wasser verzichten. Antibakterielle Seifen sollten durch milde, seifenfreie Hautreiniger ersetzt werden. Es ist besser, mikrobiomfreundliche Reinigungsprodukte zu verwenden, die den pH-Wert der Haut und ihre natürliche mikrobielle Zusammensetzung nicht verändern. Eine positive Wirkung kann durch die Verwendung von nichtalkoholischen Feuchtigkeitsspendern und Cremes erzielt werden. Interessante Naturprodukte sind hier Sheabutter und Borretschöl.

Sheabutter und Borretschöl gegen trockene Haut

Sheabutter versorgt die Haut mit essentiellen Fettsäuren und den für die Kollagenproduktion notwendigen Nährstoffen. Neben der Feuchtigkeitsversorgung wirkt sie auch entzündungshemmend und glättet die Haut aufgrund ihrer Zimt-, Öl-, Stearin-, Palmitin- und Linolensäure. Borretsch- oder Sternblumenöl enthält Gamma-Linolensäure (GLA, doppelt so viel wie beispielsweise Nachtkerzenöl) und Omega-6-Fettsäure, die die Barrierefunktionen der Haut verbessern. Deshalb ist es auch gut gegen Entzündungen, die typisch für Neurodermitis oder Psoriasis sind. 

Anpassen der Haut an Klimabedingungen

Im Winter ist es wichtig Handschuhe, Schals und Mützen zu tragen. Die Menschen sollten versuchen, sich warm zu halten und sich nicht dem Wind auszusetzen. Lippenbalsame können ebenfalls nützlich sein. Es ist hilfreich, Luftbefeuchter zu verwenden. Sie sollten in den Räumen angebracht werden, in denen sich die Person die meiste Zeit aufhält. Die Temperatur im Raum sollte nicht zu warm gehalten werden. Es ist besser, die Heizgeräte und Klimaanlagen nicht direkt auf Personen im Raum oder im Auto zu richten. Im Sommer sollte man direkte Sonneneinstrahlung vermeiden und Sonnenschutzcremes verwenden. Man sollte dabei Produkte mit einem Sonnenschutzfaktor (SPF) von 30 oder höher wählen. Die besten Sonnenschutzcremes sollten auch Antioxidantien, Pflanzenöle und Fruchtbutter enthalten, um die Haut zu befeuchten. Ceramide und Peptide helfen der Haut, sich zu erholen.

Welche Kleidung sollte bei trockener Haut getragen werden?

Es ist auch wichtig, enge und juckende Textilien zu vermeiden. Baumwolle, Seide, Leinen und weiches Acryl ist besser geeignet als Wolle oder synthetische Fasern. Viele Menschen reagieren allergisch auf Latex, das auch in Kleidung eingearbeitet sein kann. Neben der Kleidung können aber auch Waschmittel trockene Haut und Irritationen verursachen. So können beispielsweise Weichspüler sowohl hilfreich als auch schädlich sein. Im allgemeinen sollten aggressive Waschmittel und Farbstoffe vermieden werden. Auch sollten Waschmittel nach Möglichkeit frei von Duftstoffen, oder zumindest nur gering parfümiert sein. Das Ausprobieren verschiedener Typen und Marken kann helfen, herauszufinden, was für den Einzelnen am besten ist. Obwohl trockene Haut oft Juckreiz verursacht, sollte man versuchen, das Kratzen zu vermeiden oder zu minimieren, da es die Haut weiter reizen kann.  

Kaltgepresstes Olivenöl bei trockener Haut
Kaltgepresstes Olivenöl – der Alleskönner 

Ernährung bei trockener Haut – Diese Lebensmittel können helfen

Auch die Ernährung kann dazu beitragen, der Haut Feuchtigkeit zuzuführen. Eine allgemeine Empfehlung wäre es, Lebensmittel mit hohem Salzgehalt oder Konservierungsstoffen, Alkohol und Kaffee zu vermeiden. Stattdessen sollte man viel Wasser trinken und Lebensmittel essen, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Kieselerde und Antioxidantien sind. Dazu zählen beispielsweise:

  • Gurken (Enthalten Vitamin A und C, die die Haut stärken)
  • Fisch (Neben Omega-3-Fettsäuren hat Fisch auch eine entzündungshemmende Wirkung)
  • Nüsse (Reich an natürlichen Ölen, die zur Anreicherung des Talgs und der Öle der Haut verwendet werden können. Außerdem sind Nüsse reich an Vitaminen. Vitamin E zum Beispiel schützt die Haut vor UV-Licht)
  • Olivenöl (Enthält Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren)
  • Avocado (Reich an Fetten, Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien)
  • Süßkartoffel (Enthält Vitamin A, das die Haut vor dem Austrocknen bewahrt und sie bei Beschädigung repariert)
  • Austern (Enthalten Omega-Fettsäuren und Zink, die gut für das Immunsystem und die Heilung der Haut sind)
  • Bohnen (Genau wie Austern enthalten sie viel Zink, das die Haut bei der Reparatur unterstützt)

Der regelmäßige Verzehr der genannten Lebensmittel kann einen positiven Effekt auf Körper und Haut haben. Wichtig ist es dabei auf eine ausgewogene, bewusste und abwechslungsreiche Ernährung im Alltag zu achten.

Quellen

  1. Rawlings AV, Harding CR. Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther. 2004.
  2. Augustin M, Kirsten N, Körber A, Wilsmann‐Theis D, Itschert G, Staubach‐Renz P, Maul JT, Zander N. Prevalence, Predictors and Comorbidity of Dry Skin in the General Population. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018.
  3. Egawa M, Oguri M, Kuwahara T, Takahashi M. Effect of exposure of human skin to a dry environment. Skin Res Technol. 2002.
  4. Kammerlander G, Andriessen A, Asmussen P, et al. Role of the wet to dry phase of cleansing in preparing the chronic wound bed for dressing application. J Wound Care. 2005.
  5. Guenther L, Lynde C W, Andriessen A, Barankin B, Goldstein E, Skotnicki S P, Gupta S N, Choi K L, Rosen N, Shapiro L, and Sloan K. Pathway to dry skin prevention and treatment. Journal of Cutaneous Medicine and Surgery. 2012. Abstract