Mikrobiom

Neurodermitis und das Haut Mikrobiom

Haut Mikrobiom Neurodermitis

Was ist das Haut-Mikrobiom?

Die Haut stellt als äußerste Schicht des menschlichen Körpers einen wichtigen Schutz gegen äußere Einflüsse dar. Auf der Haut herrschen unterschiedlichste Lebensbedingungen für Mikroorganismen vor – von sehr trocken bis feucht, warm und fettig. Das Mikrobiom (oder Mikrobiota) der Haut bezeichnet die Gesamtheit aller auf und in der Haut lebenden Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Protozoen und Pilze). Diese Mikroorganismen finden sich auch im Körper (Nase, Ohren, Rachen, Darm und Vagina etc.) wieder.

Die Zusammensetzung der „Bewohner der Haut“ variiert je nach Hautareal, -Dicke, Falten und Dichte der Haarfollikel. Relativ feuchte Lebensräume wie die Leistengegend und Achseln oder relativ fettige Lebensräume wie Gesicht, Brust und Rücken sind reicher an unterschiedlichen Mikroorganismen, weil sie die perfekte Lebensgrundlage bilden. Im Gegensatz dazu leben weniger Bakterien innerhalb von „trockenen“ Arealen wie den Armen und Beinen. Hier ist die Vielfalt (unterschiedliche Stammarten) auch herabgesetzt. Weitere Faktoren, die das Mikrobiom der Haut steuern, sind Alter, Geschlecht, Umwelt, Immunsystem, Lebensstil und genetische Faktoren. Jeder der Faktoren hätte einen eigenen Artikel verdient. Wir können uns in diesem Artikel nur einer begrenzten Auswahl widmen.

Welche Faktoren beeinflussen das Mikrobiom der Haut?

Die Haut eines Babys innerhalb der Fruchtblase ist steril. Die Besiedlung der Haut durch Mikroorganismen setzt direkt nach der Geburt ein. Durch die vaginale Entbindung kommt das Baby äußerlich in Kontakt mit den Bakterien der Mutter. Durch das Verschlucken von Bakterien, siedeln sich diese auch innerlich an und führen damit zum Entstehen der Darmflora (Darm-Mikrobiom). Bei Kaiserschnitten kommt es neuerdings auch zum „Vaginal Seeding“ nach der Geburt. Dabei werden die Bakterien der Mutter mithilfe von Mullbinden in und auf das Baby gebracht, um die Entwicklung des Mikrobioms positiv zu beeinflussen.

Mit jedem Tag entwickelt sich das Mikrobiom der Haut weiter. bis es im Alter von zwei bis drei Jahren mit der Zusammensetzung eines erwachsenen Haut-Mikrobioms vergleichbar ist. Die für die Pubertät typische Problemhaut ist zum Teil auf die veränderte Talgproduktion zurückzuführen. Mikrobielle Unterschiede zwischen den Geschlechtern können teilweise auf physiologische und anatomische Unterschiede in der Haut wie Schweiß-, Talg- und Hormonproduktion zurückgeführt werden. Interessanterweise kann eine Beziehung die Zusammensetzung des Haut-Mikrobioms beider Partner erheblich beeinflussen.

Wie wirken sich Umweltfaktoren aus?

Auch Umweltfaktoren wirken sich auf das Haut-Mikrobiom aus. UV-Licht gilt als bekanntes antibakterielles Mittel und Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit sind entscheidend, wenn es um die Zusammensetzung des Mikrobioms geht. So konnte gezeigt werden, dass bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit im Vergleich zu niedriger Luftfeuchtigkeit bei hohen Temperaturen eine höhere Bakterienanzahl auf dem Rücken, den Achseln und Füßen auftritt.

Balance zwischen guten und schlechten Bakterien

Hautbakterien sind hauptsächlich harmlose „Bewohner“ und sogar von Vorteil für uns, aber es gibt auch schädliche, pathogene Bakterien, die sich vermehren und Entzündungen hervorrufen können, wenn die Balance des Mikrobioms gestört ist. Diesen Zustand bezeichnet man auch als „Dysbiose“. Diese Störung kann z.B. genetische Gründe haben oder ungewollt durch exzessive Hygiene herbeigeführt worden sein. Eine Hypothese, die vor 30 Jahren aufgestellt wurde, besagt, dass der Anstieg von Hautkrankheiten wie Neurodermitis mit der Verbesserung von Hygiene und Lebensbedingungen nach westlichem Vorbild, dem verstärkten Einsatz von Antibiotika und immer mehr Kaiserschnitten einhergeht.

Um ein funktionelles und ausgewogenes Mikrobiom und damit gesundes Immunsystem zu entwickeln, ist der Kontakt mit ungefährlichen Mikroben vor allem in jungen Jahren erforderlich. Das „Spielen im Dreck“ wirkt sich somit positiv aus. Kurz nachdem festgestellt wurde, dass sich Bakterien auch in tieferen Hautschichten befinden, wurde deutlich, dass sie nicht nur vom Immunsystem gesteuert werden, sondern dieses gleichzeitig auch beeinflussen und für dessen ordnungsgemäße Funktion von wesentlicher Bedeutung sind.

Ist Kosmetik schlecht für das Haut Mikrobiom?

Bestimmte synthetischen Inhaltsstoffe in der modernen Kosmetik können ein Risiko für das Haut-Mikrobiom darstellen. Es wird vermutet, dass bestimmte Inhaltsstoffe das Potenzial haben die Bakterienvielfalt auf der Haut zu verringern. Leider haben viele Kosmetikprodukte, die behaupten „natürlich“ zu sein, nicht im entferntesten Sinne etwas mit Natur zu tun. Einige Substanzen wie Parabene besitzen eine direkte antibakterielle Wirkung, die zur Konservierung von Kosmetik genutzt wird. Leider stoppt die antibakterielle Wirkung nicht auf der Haut, sondern zieht auch gute Bakterien in Mitleidenschaft. Andere Stoffe wie PEGs (Polyethylenglykole) und Paraffin (Mineralöl) können die Mikrobiota der Haut beeinflussen, indem sie den Feuchtigkeitsgehalt und die Durchlässigkeit der Haut verändern. In einer Studie an der Rutgers Universität aus den USA wurde 2015 festgestellt, dass die Verwendung von Rasierwasser mit Duftstoffen eine negative Wirkung auf die Bakterienvielfalt hat. Somit zählen ebenso Duftstoffe zu potenziell problematischen Inhaltsstoffen.

Analyse des Hautmikrobioms bei Neurodermitis
Der Mensch besteht zu 57% aus  Bakterienzellen und zu 43% aus menschlichen Zellen

Bei Neurodermitis Haut Mikrobiom in Ungleichgewicht

Neurodermitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen bei Kindern, kann jedoch auch im späteren Alter auftreten und ist daher ein sehr ernstzunehmendes Gesundheitsproblem. Neurodermitiker weisen eine erhöhte Anzahl vom Bakterium Staphylococcus aureus und eine gleichzeitig verringerte Diversität anderer Bakterien auf. Das verstärkte Aufkommen dieses Bakteriums lässt sich zumindest teilweise durch eine genetisch bedingte Barrierestörung der Haut erklären. Dort wo die Hautbarriere „durchlässig“ und entzündet ist siedelt sich verstärkt S. aureus an und produziert Proteine, die die ohnehin beeinträchtigte Barriere nachhaltig schwächen. Das wiederum verursacht Hautentzündungen, allergische Reaktionen und Juckreiz.

Strategien bei Neurodermitis

Staphylococcus aureus stellt eine der Hauptursachen bei Neurodermitis dar. Die Herstellung der Balance des Haut-Mikrobioms ist eine wichtige Strategie gegen den durch S. aureus verursachten Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen. Eine rein antimikrobielle Therapie durch antibiotische Cremes oder wie in den USA angewendete Chlorbleiche Bäder scheinen keine nachhaltige Wirkung zu haben. Wie bereits erwähnt, befinden sich viele Bakterien in Haarfollikeln, Drüsen und tieferen Hautschichten – Stellen, die schwer zu erreichen sind. Außerdem kann eine antimikrobielle Therapie auch gute Bakterien abtöten. Eine alternative Strategie könnte das Zuführen von positiven bakteriellen Stoffwechselprodukten oder inaktivierten guten Bakterien sein, um ein Gegengewicht zu den schlechten Bakterien zu bilden. Die Anwendung inaktivierter Bakterien auf der Haut kann Entzündungen unterdrücken und das Immunsystem positiv beeinflussen.

Weniger (Kosmetik) ist mehr

Den Kern der Strategie sollte allerdings die Vermeidung von übertriebener Hygiene sein. Die Duschzeit sollte auf das Nötigste minimiert werden und die Wassertemperatur nicht zu heiß sein (in Ordnung: ca. 32 – 34°C). Auf Kosmetikartikel, die PEGs, Parabene, Paraffin (Mineralöl), Mikroplastik, Sodium Lauryl Sulfate und Duftstoffe enthalten sollte komplett verzichtet werden. Das Überprüfen der meist unübersichtlich langen Inhaltsstofflisten, lässt dich durch die Verwendung von Apps wie Codecheck oder ToxFox vereinfachen. Sie zeigen sofort welche Inhaltsstoffe eine Gefahr für die Gesundheit darstellen können. Idealerweise sollten diese Produkte durch dermatologisch getestete und Mikrobiom-freundliche Pflege- und Reinigungsprodukte ersetzt werden.

Ebenfalls interessant
Mikrobiom

Parabene - Das solltest Du wissen!

Lesenswert
Neurodermitis bei Babys und Kindern