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Asthma und Neurodermitis – Das solltest du wissen!

Was ist Asthma?

Asthma (auch Asthma bronchiale genannt) ist eine häufige, langfristige entzündliche Erkrankung der Atemwege. Durch die Erkrankung, sind die Innenwände der Atemwege (Bronchien) geschwollen und verengt, wodurch die Luftzufuhr eingeschränkt wird.1 Die Bildung von Schleim in den Atemwegen, typisch für Erkältung und Grippe, verengt die Atemwege zusätzlich. All dies erschwert die Atmung und löst Husten, Keuchen, Engegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit aus. Der Schweregrad der Symptome kann von Mensch zu Mensch abweichen. Während für manche Menschen Asthma nur geringe Beeinträchtigungen verursacht, kann es für andere eine ernstzunehmende Krankheit sein. Besonders wenn die Symptome auf einem Höhepunkt sind, kann Asthma zu gesundheitsbeeinträchtigenden Situationen führen. Dies wird als „Asthmaanfall“ bezeichnet. 

Wer ist von Asthma betroffen?

Asthma betrifft Menschen aller Altersgruppen. Normalerweise beginnt es in der Kindheit und bleibt dann bestehen oder tritt in den folgenden Jahren in Schüben auf. Einerseits ist es zwar möglich erst im Erwachsenenalter Asthma zu bekommen, andererseits kommt das selten vor. Weltweit gibt es mehr als 330 Millionen Menschen mit Asthma. Allerdings haben Männer ein höheres Risiko an Asthma zu erkranken, als Frauen. Der prozentuale Anteil der Menschen mit Asthma variiert erheblich zwischen den einzelnen Ländern, sogar innerhalb Europas. Interessanterweise ist er nicht stark vom Wohlstand des Landes abhängig. In Deutschland haben etwa 10 Prozent der Kinder und 5 Prozent der Erwachsenen Asthma.2 Trotzdem hat die Anzahl der Asthma Betroffenen in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen, insbesondere bei Kindern und Erwachsenen. Jedoch ist dieser Anstieg in den letzten Jahren vor allem in den westlichen Ländern zum Stillstand gekommen. 

Ursachen von Asthma: Wie sich genetische Veranlagung und Reizfaktoren auswirken

Obwohl sich unser Verständnis von Asthma in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat, sind die grundlegenden Ursachen immer noch unbekannt. Es wird angenommen, dass ein erhöhtes Risiko an Asthma zu erkranken, genetisch veranlagt sein kann. Wenn ein Elternteil Asthma hat, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sein Kind auch Asthma hat, bei 25%. Wenn zwei Elternteile Asthma haben, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 50%. Eine gewisse Rolle könnten Gene spielen, die mit allergischen und Entzündungsreaktionen zu tun haben. Eine weitere Ursache kann eine Vorgeschichte mit viralen Infektionen in der Kindheit sein. Je mehr Infektionen desto höher ist das Risiko der Atemwegserkrankung. 

Umweltbedingte Trigger-Faktoren – von Luftverschmutzung bis Passivrauchen

Es gibt auch umweltbedingte Auslöser für Asthma, zu denen gehören:

  • Atemwegsviren
  • Luftverschmutzung
  • kalte Temperaturen
  • zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit
  • Rauchen (sowohl aktiv als auch passiv)3 
  • Stress und starke Emotionen
  • Übungen 
  • Allergie

Eine schwangere Mutter, die diesen Faktoren ausgesetzt ist, erhöht auch das Asthmarisiko für ihre zukünftigen Kinder. Asthmapatienten in den westlichen Ländern haben in 65-75% der Fälle eine Allergie, deshalb gelten diese als besondere Auslöser. Interessanterweise ist dieser Prozentsatz in den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen geringer. Aus diesem Grund kann dieser Zustand nicht streng als allergisch definiert werden. Die häufigsten Allergene sind: 

  • Pollen
  • Schimmelpilze
  • Tierhaare 
  • Hausstaubmilben 
  • starke Gerüche, einschließlich duftender Lotionen und Parfüms
  • chemische Dämpfe
  • einige Nahrungsmittelallergene, auf die später noch eingegangen werden soll
  • Ausscheidungen von Insekten

Atopischer Marsch: Asthma, Atopische Dermatitis und Allergische Rhinitis

Es besteht ein gewisser Zusammenhang zwischen Asthma und allergischen Erkrankungen wie der Atopischen Dermatitis (Neurodermitis) und der Allergischen Rhinitis (Heuschnupfen).4 In 50 bis 70 % der Fälle, entwickeln Kinder mit Neurodermitis später auch Asthma. Deshalb bezeichnet man dieses Phänomen auch als atopischen Marsch. Der Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Asthma hängt wahrscheinlich mit einer gestörten Hautbarriere und einem beeinträchtigten Immunsystem zusammen. Jedoch sind die genauen Prozesse aus Sicht der Wissenschaft noch nicht genau geklärt. Genau wie bei atopischer Dermatitis, gibt es auch beim allergischen Asthma eine Hygiene-Hypothese. Diese besagt, dass ein geschwächtes Immunsystem dadurch entsteht, dass Kinder und Säuglinge zu wenig mit Bakterien in Kontakt kommen. Folglich ist dies auch bei einer übertriebenen Hygieneroutine der Fall.

Reizhusten oder Asthma – Wie verschaffe ich mir Gewissheit?

Es gibt verschiedene Tests die ein Arzt machen kann, um Asthma zu erkennen. Der häufigste ist ein Pricktest. Dabei bringt der Arzt eine kleine Menge eines Allergens in die Haut ein und beobachtet die Reaktion darauf. Dazu gehört auch eine Messung, wie viel Luft ein Patient ein- und ausatmen kann. Weiterhin wird ein Test zum Druck messen der Luft beim Ausatmen gemacht. Zusätzlich können Patienten mit Asthma Symptomen, nach Empfehlung des Arztes, unterstützende Medikamente ausprobieren. Verbessert sich die Atmung nach Einsatz dieser Medikamente, ist eine asthmatische Erkrankung sehr wahrscheinlich. Schließlich kann ein Arzt eine körperliche Untersuchung und eine Anamnese des Patienten und seiner Angehörigen veranlassen.

Behandlung von Asthma – Welche Möglichkeiten gibt es?

Asthma kann nicht vollständig geheilt werden. Allerdings gibt es Möglichkeiten, Asthmaanfälle und deren Symptome unter Kontrolle zu bringen, so dass die Krankheit fast unbemerkt bleibt. Zur Behandlung von Asthma unterscheidet man zwei Hauptgruppen von Medikamenten: 

  • Schnell wirksame Bedarfsmedikamente 
  • Langfristige Medikamente für den Dauereinsatz

Bei besonders schweren Asthmaanfälle, ist es ratsam, einen Notfall-Inhalationsgerät (Bronchodilatator) zu haben. Er entspannt die Muskeln um die Atemwege und verschafft so eine schnelle Linderung. Welche Medikamente sich am besten eignen, sollte individuell in Rücksprache mit einem Arzt bestimmt werden. 

Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Asthma – Wie beeinflussen diese sich gegenseitig? 

Wie bereits erwähnt, kann eine Veranlagung zu Neurodermitis Asthma verursachen bzw. begünstigen. Deshalb ist klar, dass die Behandlung von Neurodermitis für beide Erkrankungen hilfreich sein kann. Zudem kann die Behandlung der atopischen Dermatitis in einem frühen Stadium, eine Entwicklung von Asthma verhindern. Allerdings ist der zeitliche Abstand zwischen dem Auftreten beider Erkrankungen oft sehr kurz, was die Vorbeugung erschwert. Die Therapieansätze von Neurodermitis umfassen die Behandlung der Haut, der Verdauung und des Immunsystems. Neben bestimmten Medikamenten gibt es eine Reihe von Lebens- und Hygienegewohnheiten, Diäten und Therapieansätze, die bei Neurodermitis  empfohlen werden.

Asthma und Ernährung – Ausgewogenheit ist das A und O!

Eine weitere Strategie, um einen Schub zu vermeiden, besteht darin, Nahrungsmittelallergene zu identifizieren und zu vermeiden. In der Regel gibt es kein spezifisches Produkt, das man meiden sollte. Stattdessen sollten Asthmapatienten versuchen, eine ausgewogene Ernährung einzuhalten. Idealerweise sollte diese Diät mit Hilfe eines professionellen Ernährungsberaters oder eines Arztes geplant werden.5 Allgemein empfiehlt sich auf verarbeitete Lebensmittel zu verzichten und frische Lebensmittel in den Ernährungsplan zu integrieren. Besonders geeignet sind Vitamin D- und magnesiumreiche Lebensmittel, sowie Beta-Carotin-reiches Gemüse. Ein möglicher Ernährungsplan bei Asthma sieht so aus:

  • Obst und Gemüse (vor allem Karotten, Bananen, Äpfel, Cantaloupe und Brokkoli)
  • Blattgemüse (z. B. Römischer Salat, Grünkohl, Mangold und Spinat)
  • Süßkartoffel
  • Milch
  • angereicherter Orangensaft
  • Eier
  • Fisch (z.B. Lachs)
  • dunkle Schokolade

Weiterhin sollte beachtet werden, dass Reaktionen auf diese Lebensmittel bei jedem Menschen anders sein können. Deshalb sollte man darauf achten, ob bestimmte Lebensmittel die Symptome unterstützen oder verschlimmern. Als Alternative zur Ernährung, kann Vitamin D bereits durch einen 15-minütigen Aufenthalt im Freien unter der Sonne aufgenommen werden. 

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Eine ausgewogene Ernährung birgt nicht nur für ein gesundes Gewicht viele Vorteile

Die richtige Diät: Welche Lebensmittel gemieden werden sollten

Es gibt auch Lebensmittel, die man meiden kann (Abklärung nur durch Arzt oder professionellen Ernährungsberater). Allgemein empfiehlt sich weniger gebratene und salzige Lebensmitteln zu essen. Sulfite und künstlichen Inhaltsstoffen, wie z. B. chemischen Konservierungsmitteln, Farbmittel oder anderen Aromastoffen, sollten ebenfalls gemieden werden. Dazu zählen:

  • Wein, abgefüllter Zitronen- und Limettensaft, kohlensäurehaltige Getränke (Sulfite)
  • Kuhmilch
  • Hühnereier (Sulfite)
  • Weizen
  • Erdnüsse
  • Sojaprodukte
  • Fleisch
  • Fertiggerichte (Sulfite)
  • Trockenfrüchte (Sulfite)
  • Essiggurken
  • Meeresfrüchte 
  • Zwiebeln (Sulfite)

Eine gesunde Ernährung, begünstigt ein gesundes Gewicht und damit verbunden eine Linderung von asthmatischen Symptomen. Je nach Schweregrad des Asthmas, können auch regelmäßige, leichte körperliche Übungen unterstützend für einen gesunden Körper in die Routine eingebaut werden. 

Probiotika bei Asthma? 

Eine gesunde Verdauung hängt nicht nur von der Ernährung, sondern auch von den guten Bakterien in unserem Darm ab. Viele Wissenschaftler erforschen derzeit das Potenzial von Prä-, Pro- und Synbiotika.6,7 Präbiotika sind die Nährstoffe, die die guten Bakterien in unserem Körper ernähren. Probiotika hingegen, sind selbst nützliche Bakterien. Synbiotika sind die Kombination aus beidem. Obwohl dieser Ansatz noch nicht ausgereift ist, liefert er vielversprechende Ergebnisse. 

Allgemeine Praktiken bei Asthmaanfällen

Es ist wichtig, Bedingungen zu vermeiden, die Asthma begünstigen können, wie z. B: 

  • laufende Nase
  • Sinus-Infektionen
  • Säurereflux (wenn Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt)
  • psychischer Stress
  • Schlafstörungen, die die Atmung beeinträchtigen

Manchmal kann es hilfreich sein, die Arbeitsumgebung zu wechseln. Dies gilt insbesondere für Umgebungen mit verschmutzter oder feuchter Luft (Baustelle, Sauna und so weiter).

Natürliche Pflegeansätze: Dampfbäder und Speläotherapie

Dampfbäder versorgen die Atemwege mit Feuchtigkeit und lösen den Schleim, was das Atmen erleichtert. Personen mit Asthma sollten dennoch vorsichtig sein: zu heißer Dampf kann die Symptome auch verschlimmern. Speläotherapie ist eine Form der Klimatherapie, bei der sich Menschen in einem Raum voller Salz aufhalten. So gelangen winzige Salzpartikel in die Atemwege der Betroffenen. Es wird angenommen, das diese Therapie eine beruhigende Wirkung haben kann.

Asthma Atemübungen – Wenn das Atmen schwerfällt 

Diese Techniken stärken je nach Art das Zwerchfell und andere Muskeln, die die Atmung erleichtern, die Atmung verlangsamen und den Sauerstoffbedarf des Körpers senken.

  • Zwerchfellatmung 
  • Nasenatmung 
  • Buteyko-Atmung 
  • Lippenbändchen-Atmung 
  • die Papworth-Methode8

Entspannung der Muskeln und des Geistes Welche Praktiken helfen können 

Wie bereits erwähnt, ist Stress einer der größten Faktoren, der Einfluss auf Asthma und mögliche Symptome hat. Er verändert das Atemmuster, lässt das Herz schneller schlagen und verursacht Muskelverspannungen. Deswegen neigen manche Menschen stressbedingt dazu, ungesunde Gewohnheiten wie z.B. Alkoholkonsum oder das Rauchen zu praktizieren. Einige stresslösende Übungen und Tipps sind:

  • Progressive Muskelentspannung
  • Akupunktur
  • Yoga
  • Meditation
  • Geführte Bildersprache 
  • Biofeedback

Bei der geführten Bildersprache konzentriert sich die Person auf mentale Bilder, die ein Gefühl der Entspannung hervorrufen. Die Biofeedback-Therapie lehrt, wie man Prozesse im Körper kontrolliert, die der Mensch normalerweise nicht unter Kontrolle hat. Hierfür ist die Herzschlagrate ein Beispiel. 

Fazit

  • Asthma ist eine Atemwegserkrankung, die zumeist in Kombination mit anderen Immunschwächen, wie Neurodermitis und Allergien, auftritt 
  • Eine frühzeitige Behandlung von Neurodermitis, kann helfen die Entwicklung von Asthma zu vermeiden
  • Die Atemwegserkrankung kann alle Altersgruppen betreffen, macht sich zumeist aber bereits im Kindesalter bemerkbar
  • Es gibt eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen, die jedoch individuell und mit Ärzten sowie Ernährungsberatern abgeklärt und kontrolliert werden sollten 

Quellen

  1. Lemanske RF, Busse WW. Asthma: Clinical expression and molecular mechanisms. J Allergy Clin Immunol. 2010.
  2. https://www.lungeninformationsdienst.de/en/forms-of-lung-diseases/asthma/verbreitung/index.html
  3. Kaplan AG, Balter MS, Bell AD, Kim H, McIvor RA. Diagnosis of asthma in adults. CMAJ. 2009.
  4. Bourdin A, Gras D, Vachier I, Chanez P. Upper airway 1: Allergic rhinitis and asthma: united disease through epithelial cells. Thorax. 2009.
  5. Andrianasolo M Roland,  Kesse-Guyot Emmanuelle, Adjibade Moufidath, Hercberg Serge, Galan Pilar, Varraso Raphaëlle. Associations between dietary scores with asthma symptoms and asthma control in adults. Eur Respir Journal. 2018.
  6. Spacova I, Ceuppens JL, Seys SF, Petrova MI, Lebeer S. Probiotics against airway allergy: host factors to consider. Dis Model Mech. 2018. 
  7. Mennini M, Dahdah L, Artesani MC, Fiocchi A, Martelli A. Probiotics in Asthma and Allergy Prevention. Front Pediatr. 2017.
  8. Holloway EA, West RJ. Integrated breathing and relaxation training (the Papworth method) for adults with asthma in primary care: a randomized controlled trial. Thorax. 2007.
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